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Fundación Canaria Blas Sánchez

 

BLAS SÁNCHEZ HERNÁNDEZ

von Ana Torres de Armas Historikerin des Komponisten

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Uebersetzung aus dem Spanischen von

Gerda-Marie Muñoz-Delgado

 

Blas Sánchez ist eine herausragende Persoenlichkeit im Kultur- und Musikleben der Kanarischen Inseln. Seine vielseitige, lebendige Persoenlichkeit hat ihm die Moeglichkeit gegeben, sich auf verschiedenen Gebieten zu entwickeln. Selbst als Kind schon begann er, sich in die Volksmusik einzubringen, die in Ingenio, seinem Heimatort, gespielt wurde. Dort hoerte er zum ersten Mal die Folklore-Gruppen, die mit ihren “Folías” und “Tajarastes” durch die Strassen zogen, und wurde Mitglied der Gruppe “Campos de Sur” unter der Leitung von José Suárez, wobei er besonders fasziniert war von einer Persoenlichkeit mit Namen Elias, der Einarmige, ein fuer das Kind seltsamer und raetselhafter Troubadour. Hier hoerte er jene “Ranchos de Ánimas”, eine Art Seelengesaenge, die er in sich aufnahm und sie im Gedaechtnis behielt, um sie spaeter zusammen zu stellen und zu neuem Leben zu erwecken. So bewahrte er sie von dem Vergessen.

            Spaeter verfolgte er dann seinen Weg ein wenig orthodoxer, und zwar im Internat des Heiligen Antonius zu Las Palmas, Gran Canaria, wo er Notenlehre und Geige studierte, was ihm die ersten Kontakte zu den Werken von Mozart, Beethoven und Brahms eroeffnete.

            Er wurde erster Geiger im Jugendorchester unter der Leitung von Gabriel Rodó und tauchte in die Welt der Violine ein, der er sich mit inniger Hingabe einen Grossteil seiner Jugend widmete und so zu einem ernsthaften Musiker wurde, der sich den Werken, die er interpretierte, zutiefst verpflichtet fuehlte.

            Seine musikalische Ausbildung schliesst er im damaligen Konservatorium von Teneriffa mit Bestnoten ab und reist danach, ausgestattet mit einem Stipendium der Inselregierung nach Madrid, um dort Weiterbildungskurse zur Vervollkommnung zu absolvieren.

            Schon zu jener Zeit hatte er zahlreiche Stuecke verfasst, und die Gitarre wird sein bevorzugtes Ausdrucksmittel, fuer die er seine “Blasianas canarias “ komponiert. Staendig wechselt er zwischen Studium und Konzerten, in denen er als Geiger auftritt, hin und her, ist in Madrid unermuedlich aktiv. Und dort ereignen sich auch zum ersten Mal die “Besuche” seines alter ego, seines zweiten Ichs namens B. Praf, auch Fray Benedicto genannt, der ihn zu seinen Kompositionen und Improvisationen im Stil alter Musik inspiriert.

            Als ob es sich um eine andere, jedoch nicht sehr weit entfernte Person handelte, gibt es dank dieser Inspirationen Werke wie Variationen ueber Folías de España, Floreo sobre un pasacalle español, Aires y danzas de otros tiempos (fuer Guitarrarpa) und Divertimento canario, in denen die Instrumente Timple, Requinto, Gitarre und Guitarrarpa, begleitet von einem Streichorchester, zum Einsatz gelangen. Ausserdem kommt noch ein anderer Fremdname ins Spiel, naemlich Praf. Bronner, der ihn zu einigen Werken fuer Violine inspiriert. Dennoch bleibt Blas Sánchez immer aufmerksam und auf dem Boden der Wirklichkeit, die ihn umgibt.

            Dann beendet er seinen Aufenthalt in Madrid, als man ihm, nachdem er einige Handzettel verteilt hatte, die zur Meinungsfreiheit aufriefen, die Saiten seiner Geige und Gitarre zerreisst, und er entscheidet sich, nach Paris zu gehen, wo ihn sein Freund, der Bildhauer Ángel Péres, erwartet. Sein einziges Gepaeck sind seine Imagination, seine unzertrennliche “Pentapusana” (Notenblaetter), eine Gitarre und eine Geige. Und damit beginnt das Abenteuer, das ihn, wie er selbst es bezeichnet, auf die Reise von 41 Jahren durch ein Pariser Pentagramm schickt.

            Dort folgt er seinem Rhythmus unermuedlicher Schaffenskraft, nicht ohne gelegentliche Taetigkeiten, die seinen Lebensunterhalt sicherstellen. So schliesst er sich “in Montmartre” den kanarischen Kunstmalern an, wie z.B. Julio Viera, gibt Gesangsunterricht gegen Lebensmittel, komponiert fuer seine Schueler Lieder und bildet mit dem Pianisten César Morales ein Duo, das Konzerte gibt, in denen auch immer das eine oder andere eigene Werk einfliesst. Er singt auf Hebraeisch in der Freien Synagoge in der Rue Copérnic, auf Russisch ambrosianische Gesaenge in der orthodoxen Kirche in der Rue Darú und in Notre Dame auf Latein.

            Trotz dieser frenetischen und ununterbrochenen Aktivitaeten fand der den Freiraum und die Ernsthaftigkeit, die er fuer das Fortkommen in seiner schoepferischen Welt brauchte. Die Tatsache, dass er sich auf verschiedenen Gebieten bewegte, fuehrte ihn auch zur Mitarbeit bei dem Geigenbauer Emile Français, fuer den er in dessen Werkstatt Violinen Probe spielt, wobei er dort auch den Geiger David Oïstrack kennen lernt, der ihn spaeter selbst unterrichtet, was zu einer engen beruflichen Verbindung fuehrt.

            Darueberhinaus beginnt er 1960 eine Zusammenarbeit mit einem anderen der ganz Grossen seiner Zeit, Jascha Heifetz, mit dem er in Tel Aviv das Konzert fuer 2 Violinen in d-moll von J.S. Bach spielt. Er musiziert auch mit einem Barock-Ballett, fuer das er zahlreiche Stuecke verfasst, denn die Komposition ist inzwischen fuer sein musikalisches Schaffen zu einem natuerlichen Beduerfnis geworden.

            Spaeter dann beginnt er mit seiner Lehrtaetigkeit, waehrend der er seine Kreativitaet ausbaut und sie weiter entwickelt zur Anpassung an die Unterrichtssituation. Es ist das Staedtische Konservatorium Vitry sur Seine ausserhalb von Paris, an dem er seine intensive Laufbahn als Professor fuer Gitarre und Kammermusik entfaltet.

            In 38 Jahren widmet er sich der Einfuehrung, Veraenderung und Erneuerung der Musikerziehung. Seine neuartige partizipative und individuelle Form des Unterrichts, den er auf jeden einzelnen Schueler zuschneidet, und die Vielzahl von Musikstuecken, die er unermuedlich fuer sie kreiert, betrachtet er in all dieser Zeit als seine grosse Aufgabe. Allmaehlich erarbeitet er aus dem Hoersaal heraus ein fliessendes, gemeinsames, stimulierendes und kreatives Lernen, nicht nur hinsichtlich der Technik, sondern vielmehr fernab jeglicher Routine und/oder Erlangung von sinnlosen Inhalten, wobei die Schueler Neues entdecken, mit Klaengen experimentieren und teilhaben an ihrem eigenen Lernprozess. Und wenn sie es nicht schaffen, Musik zu spielen, so sollen sie sie wenigstens singen koennen.

            DerWelt der Paedagogie schenkt er seine ganze Aufmerksamkeit, und so entsteht mit seinen Methoden eine aeusserst interessante Sammlung von Gitarrenmusik und Liedern. Seine erste Methode, L’ami du débutant, wurde 1964 von Choudens herausgegeben, danach “Méthode Classique” fuer Gitarre und ein Kompendium “Técnica y Más”, in dem er viele seiner Studien und wichtigsten Werke eingebracht hat, wie z.B. Folías de ensueño, Suite Arpiana, Suite Iberoamericana, Siete Pinceladas (Sieben Pinselstriche), Rítmico canario, Blasadas u.v.m.

            Neben all den Aufgaben und Taetigkeiten liess er es sich nicht nehmen, ein reges Kulturleben zu fuehren und Konzerte zu geben. Dabei lernte er so wichtige Leute kennen wie Cortázar, Alejo, Carpentier, Alberti und vor allem Pablo Neruda, mit dem er verschiedene Rezitale gestaltete und ihn bei seinen Dichterlesungen begleitete. Es ist dieser Schriftsteller und Poet, dem er seine “Salmos a Neruda” widmet, als er ein anderes seiner persoenlichen Wagnisse verwirklicht, naemlich die Entwicklung eines voellig neuartigen Instruments, das er Guitarrarpa nennt. Es hat 13 Saiten und eine ganz eigene Feinabstimmung, mit Hilfe dessen er nach neuen Klaengen und Klangfarben sucht.

            Die erste dieser Guitarrarpas baut ihm ein Zigeuner namens Kico Dohër aus den Holzresten eines alten Violoncellos, und nach dieser experimentellen Phase folgen die von Castelluccia und Pappalardo bis schliesslich hin zu der aktuellen Version von Manuel Contreras.

            Unter all den Werken fuer dieses Instrument gilt hervorzuheben die bereits erwaehnten “Salmos a Neruda”, “Archipiélagos Imaginarios”, “Fantasía para un hombre solo”, “Comunicaciones” fuer Kammerorchester und Perkussion sowie “Concierto para un Faycán” fuer Guitarrarpa und Orchester.

            So vergehen jene Pariser Jahre mit Forschung, Unterricht, musikalischer Animation und Konzerten. Dazu hat er dann noch den Mut und Elan, eine Gitarren-Vereinigung zu gruenden, den “Cercle Guitaristique d’Ile de France”, mit einem exzellentem Ruf. Er organisiert Gitarrenkurse, -wettbewerbe und -festivals in verschiedenen Regionen Frankreichs und bildet gleichzeitig mit einigen seiner Schueler das Ensemble “L’Octuor de Paris” und spaeter, bereits in den 80er Jahren, das “Guitar Consort”, mit dem er vorwiegend eigene Werke auffuehrt. Desweiteren leitet er viele Musikevents, wie z.B. ueber 20 Jahre lang in der Normandie, und auch in Polen, Kuba, Senegal, Togo, Kamerun und Nordspanien.

            Derzeit richtet er einmal im Jahr in seiner Heimatstadt Ingenio einen internationalen Kurs fuer Gitarre und Violine mit einem Wettbewerb und Festival aus. Daneben ist er auch weiterhin mit der Welt der Komposition eng verbunden, und er sucht vorzudringen zu neuen Ausdrucksformen, neuen Klaengen, neuen kuenstlerischen Ufern, die dem kreativen Geist Antworten geben. So sind Werke entstanden wie “Magma” fuer Bariton und Kleines Orchester, uraufgefuehrt in Paris mit der Projektion einiger Bilder von Ildefonso Aguilar, “Murmullos de un Cráter” fuer Geige mit Verstaerker, Klavier, Guitarrarpa, Perkussion und elektro-akustischen Effekten, ein modernes Oratorium mit dem Titel “Le Canarien” fuer Streichorchester, Sologeige, Bariton, Chor, Sprecher und Perkussion, sowie “Alegatos con cabreo ma non troppo”. Alle diese Kompositionen entsprechen eigenen Klangwelten, die die enormen kreativen Faehigkeiten ihres Schoepfers unter Beweis stellen. Dabei sind auch nicht zu vergessen einige seiner Kinderlieder, die er in seiner Oper “Le Grand Voyage” integriert.

            So sind also die mehr als 40 Jahre vergangen, die der Maestro in Paris verbrachte und in denen sich seine schoepferische und paedagogische Motivation in fast 2000 Werken manifestiert hat.

            Seit seiner Heimkehr im Jahr 2000 widmet er sich der Erhaltung und Erweiterung seines Erbes am Standort der Stiftung, die seinen Namen traegt und auch sein Zuhause ist und inzwischen zu einer kulturellen Begegnungsstaette geworden ist. Selbst hier komponiert er weiter, auch Auftragsarbeiten, ueberprueft und ordnet sein Gesamtwerk und widmet sich daneben auch der Bildhauerei.

            Blas Sánchez ist ein rastlos Schaffender, immer auf der Reise durch sein persoenliches Universum, voller Neugier und schoepferischer Energie. Und trotz seiner Vielschichtigkeit entfernt er sich nie von seinen Idealen, von seinen Pentagrammen bis hin zu seiner Guitarrarpa, und er hat sich selbst bestaetigt in dem, was er immer geglaubt hat. Das hat ihm erlaubt, stets er selbst zu sein, in Freiheit und Unabhaengigkeit, ohne sich jemals einer Gruppierung oder Stroemung anzuschliessen.

            So ist sein gesamtes Werk von Mitteilsamkeit und Wahrheit durchdrungen, womit er sich zu einem originellen, einzigartigen Komponisten gemacht hat, der sich in verschiedenen Kunstrichtungen bewegt und es verstanden hat, nach einem langen Weg der Suche seinen eigenen Ausdrucksstil im Einklang mit seiner komplexen kuenstlerischen Persoenlichkeit zu finden.

            Wir haben das Glueck, uns an seinem Werk und seiner Musik erfreuen zu koennen, vor allem aber an seinen grossartigen menschlichen Eigenschaften.

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